Hat Sport Einfluss auf die Fruchtbarkeit?

Im Rahmen von Beratungsgesprächen stellen wir immer wieder fest, dass bei vielen Patientinnen und Patienten Unsicherheit darüber besteht, ob Sport für die Fruchtbarkeit schädlich oder förderlich ist. Um für ein wenig Klarheit zu sorgen, haben wir diese Frage in den Mittelpunkt des folgenden Blogbeitrages gestellt.

Positive Auswirkungen des Sports  

 

Grundsätzlich gilt: Ein gesunder Lebensstil hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Fruchtbarkeit. In den meisten Fällen ist das Sporttreiben daher durchaus vorteilhaft, da es wichtige Voraussetzungen für reibungslose Körperfunktionen schafft und das persönliche Wohlbefinden steigert. Dadurch wird indirekt auch die Fertilität begünstigt. Sport kann unter anderem Folgendes bewirken:

  • Verbesserung der Durchblutung: Sport verbessert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Körpers bis in die Zellebene und erhöht die Bildung zellulärer Hormon-Rezeptor-Komplexe.
  • Stressreduktion: Stress wirkt sich nachweislich negativ auf die Fruchtbarkeit aus und kann hormonelle Reaktionen auslösen, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Sport trägt dazu bei, Stress abzubauen.
  • Verbesserung des Hormongleichgewichts: Regelmäßiger Sport stärkt die Muskeln, unterstützt die Regelmäßigkeit der Menstruation und verringert prämenstruelle Beschwerden.
  • Erhöhung der Endorphinausschüttung: Studien belegen, dass der Endokrinspiegel im Blut unmittelbar nach der körperlichen Betätigung erheblich ansteigt. Endorphine sind als Glückshormone bekannt und wirken wie natürliche Schmerzmittel, die Depressionen und Angstzustände reduzieren.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Menschen, die Sport treiben, fruchtbarer sind als die, die es nicht tun. Vielmehr verbessert tägliche Bewegung in Maßen die Eigenschaften des Körpers und damit die Voraussetzungen für den Eintritt einer Schwangerschaft.

Weitere fertilitätsbeeinflussende Faktoren

Noch wichtiger sind aber das Alter und der Zustand des weiblichen sowie des männlichen Fortpflanzungssystems. Eine 18-Jährige, die nur alle zwei Wochen Sport treibt, ist wahrscheinlich fruchtbarer als eine 40-jährige Frau, die sich dreimal wöchentlich sportlich betätigt. Dies ist in der Regel auf das Alter zurückzuführen, das die Größe der Eizellreserve und die Qualität der Eizellen beeinflusst.

Darüber hinaus gibt es viele weitere ungesunde Gewohnheiten, die die Erfüllung des Kinderwunsches erschweren. Stress, Zigarettenkonsum und schlechte Ernährung können sich beispielsweise negativ auf die reproduktive Gesundheit auswirken und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Wer eine Schwangerschaft erreichen möchte, sollte deshalb auch auf einen gesunden Lebensstil achten.

Wichtig ist unter anderem eine ausgewogene Ernährung. Empfehlenswert sind zum Beispiel Lebensmittel, die reich an Antioxidantien und Vitaminen sind oder die Folsäure enthalten. Aus diesem Grund sollten Obst, Gemüse und fettreicher Fisch wichtige Bestandteile der Ernährung sein. Auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee und Softdrinks sollte hingegen verzichtet werden.

Einfluss von Hochleistungssport auf die Fruchtbarkeit 

Einige Studien deuten darauf hin, dass sich auch Hochleistungssport negativ auf die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen auswirken kann.

Bei vielen Hochleistungssportlerinnen, die sehr intensiv trainieren, nimmt die Produktion von Progesteron in der zweiten Phase des Menstruationszyklus ab. Dieses Hormon ist für eine erfolgreiche Einnistung des Embryos verantwortlich und hat daher erheblichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Ein Progesteronmangel kann sogar zu Implantationsfehlern oder frühen Fehlgeburten führen.

Manchmal bewirkt Hochleistungssport auch das Ausbleiben des Eisprungs (Anovulation). In extremen Fällen kann es bei Sportlerinnen sogar zum Ausbleiben des Menstruationszyklus und damit zu Unfruchtbarkeit kommen.

Spitzensportlerinnen, die ihre berufliche Laufbahn nicht unterbrechen und die Familiengründung stattdessen aufschieben möchten, haben aber die Möglichkeit, ihre Eizellen einzufrieren und die Realisierung des Kinderwunsches nach dem Karriereende in Angriff zu nehmen.

Auf die Fruchtbarkeit von Männern kann Hochleistungssport ebenfalls einen negativen Einfluss haben. Übermäßiger Sport kann nämlich die Qualität und die Anzahl der Spermien beeinträchtigen. Diese verminderte Qualität spiegelt sich in einer geringeren Spermiengeschwindigkeit, einer schlechten Samenmorphologie und DNA-Defekten wider. Häufig ist bei Spitzensportlern mit konstanten und intensiven Trainingsrhythmen die DNA-Fragmentierung stark ausgeprägt. Ob dies der Fall ist, lässt sich mithilfe eines erweiterten Spermiogramms feststellen.

Sport während einer Kinderwunschbehandlung  

Frauen, die sich für eine Kinderwunschbehandlung entscheiden, fragen sich oft, ob es ratsam ist, Sport zu treiben. Im Allgemeinen werden leichte Bewegungsarten wie das Spazierengehen, Yoga oder das Schwimmen empfohlen. Diese körperlichen Betätigungen können während der gesamten Stimulationsphase der Eierstöcke durchgeführt werden.

Es ist allerdings sinnvoll, sehr intensive und anstrengende körperliche Aktivitäten zu vermeiden, da das Risiko einer Follikelruptur oder einer Eierstocktorsion besteht. Zudem können Unterleibsschmerzen auftreten. Daher wird in der letzten Phase der Stimulation vor der Follikelpunktion von Sportarten wie Gymnastik, Cricket, Spinning, Reiten, Trampolinspringen, Leistungs- und Kontaktsport abgeraten.

Individuell beraten lassen

Welche Sportarten in welchem Maße risikofrei betrieben werden können, hängt auch von der Art der Kinderwunschbehandlung und der Konstitution der jeweiligen Patienten ab. Deshalb sollte vor Beginn einer Kinderwunschbehandlung stets individuell abgeklärt werden, welche sportliche Betätigung im jeweiligen Fall sinnvoll ist. Fachärzte und Fachärztinnen können über mögliche Risiken informieren und wertvolle Empfehlungen abgeben.

Sie möchten mehr über den Zusammenhang zwischen Sport und Fruchtbarkeit erfahren? Im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgespräches beantworten wir gerne Ihre Fragen. Vereinbaren Sie einfach einen Termin unter der Telefonnummer 07221 7021701 oder nutzen Sie unser Kontaktformular.