Belastende Zerreißprobe: So überstehen Paare die Kinderwunschbehandlung

Belastende Zerreißprobe: So überstehen Paare die Kinderwunschbehandlung

Können sich Paare ihren Traum vom eigenen Baby nicht auf natürlichem Weg erfüllen, ziehen sie häufig die Durchführung einer Kinderwunschbehandlung in Betracht. Dieser Schritt sollte jedoch wohlüberlegt sein. Zwar bietet die moderne Reproduktionsmedizin einige Möglichkeiten, um die Chancen auf eine Schwangerschaft trotz beeinträchtigter Fruchtbarkeit zu erhöhen. Unserer Erfahrung nach empfindet die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten die Kinderwunschbehandlung aber als emotionale Achterbahnfahrt, die mit Druck, Stress und Ängsten verbunden ist. Nicht selten entwickelt sich diese Belastung zu einer echten Zerreißprobe, bei der der Zusammenhalt in der Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird. Welche Maßnahmen und Verhaltensweisen dabei helfen können, diese psychische Belastung bestmöglich zu bewältigen, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Beide Partner sollten einverstanden sein

Häufig ist schon die Zeit vor der Behandlung mit emotionalem Stress verbunden. Wenn der ersehnte Nachwuchs auf sich warten lässt und es so scheint, als ob im Bekanntenkreis plötzlich alle mühelos schwanger werden, ist die Situation für die Betroffenen oft nicht leicht zu ertragen. Meist dreht sich das Leben dann fast nur noch um das Thema Kinderwunsch. In dieser Situation ist es wichtig, offen miteinander zu sprechen und herauszufinden, ob beide Partner mit der Durchführung einer Kinderwunschbehandlung einverstanden sind.

Um das Konfliktpotenzial von vornherein so weit wie möglich zu minimieren, sollte vor Beginn der Behandlung hundertprozentige Klarheit darüber herrschen, dass beide Partner einen Kinderwunsch haben und diesen Weg gemeinsam gehen wollen.

Auf Schuldzuweisungen verzichten

Wurde bei nur einem Partner eine Unfruchtbarkeit festgestellt, ist dies für die betroffene Person oft besonders schwer zu ertragen. Daher sollte auf Schuldzuweisungen verzichtet werden. Stattdessen muss das Projekt Kinderwunsch von allen Beteiligten mit dem gleichen Einsatz angegangen werden. Nur wenn beide Partner an einem Strang ziehen und Hand in Hand zusammenarbeiten, sollte eine Fruchtbarkeitsbehandlung in Betracht gezogen werden.

Auf stressige Phasen gefasst sein

Die Behandlung ist für beide Partner oftmals mit Stress verbunden. Im Laufe der Therapie wird die Frau beispielsweise häufig durch Nebenwirkungen der Hormonbehandlung und Termindruck belastet. Ihr gesamtes Leben muss auf die Behandlung abgestimmt werden. Unter anderem müssen die Patientinnen regelmäßig ärztliche Untersuchungstermine wahrnehmen. Manchmal sind diese Arztbesuche jedoch schwer mit dem Beruf vereinbar – vor allem dann, wenn die Therapie vor den Arbeitskollegen geheim gehalten werden soll. Schnell entwickelt sich die Kinderwunschbehandlung zu einem neuen Taktgeber im Leben, unter dem nicht nur die Lebensfreude, sondern oft auch die Beziehung leidet.

Bei vielen Paaren hat diese Belastung Auswirkungen auf die Sexualität: Manche Frauen berichten von Lustlosigkeit; bei Männern kann es durch den psychischen Druck und den Stress zu Erektionsproblemen oder vorzeitigen Samenergüssen kommen.

In der Zeit der Ungewissheit Verständnis füreinander zeigen

Eine Kinderwunschbehandlung dauert in der Regel rund vier Wochen. Dann steht fest, ob die künstliche Befruchtung erfolgreich war. Diese Zeit erleben viele Paare als Wechselbad der Gefühle: Auf die Angst, dass etwas schiefgehen könnte, folgt meist die Hoffnung auf eine erfolgreiche Befruchtung. Neid auf andere Mütter und Verzweiflung sind meist ebenso spürbar wie Optimismus und die Überzeugung, dass alles gut gehen wird. Angesichts dieser emotionalen Ausnahmesituation treten manchmal Gefühlsausbrüche zutage, mit denen alle Beteiligten umgehen müssen.

Fällt einem Partner das Aushalten der Ungewissheit schwerer als dem anderen, entsteht auf einer Seite nicht selten ein Gefühl des Nicht-verstanden-werdens. Aus dieser Situation können sich schnell große Konflikte und Streitereien entwickeln. Jeder Mensch geht schließlich anders mit dem Thema um. Daher sollten in einer Beziehung beide Partner Verständnis füreinander zeigen, Rücksicht aufeinander nehmen und ihre Sorgen und Ängste offen aus- und ansprechen.

Auf Rückschläge vorbereitet sein

Ist eine Befruchtung nicht erfolgreich, fühlen sich viele Frauen, als hätten sie versagt. Dabei liegt der Erfolg der Behandlung natürlich nicht in ihrer persönlichen Verantwortung. Männer fühlen sich dagegen oftmals hilflos, weil sie scheinbar nur untätig zuschauen können. Zeigen sie Einfühlungsvermögen, können sie jedoch eine wichtige Stütze sein.

Um auf Rückschläge vorbereitet zu sein, sollten die beiden Partner bereits vor Beginn der Kinderwunschbehandlung darüber sprechen, dass mehrere Versuche erfolglos bleiben können, und sich gegebenenfalls einen Plan B zurechtlegen.

Auch in der Therapiephase ist Kommunikation das A und O. Schließlich erleichtern offene Gespräche den Umgang mit einer fehlgeschlagenen Befruchtung. Zudem erzeugt der Austausch emotionale Nähe und Stabilität, die beim Auf und Ab der Kinderwunschachterbahn besonders hilfreich sein kann. Hilfestellungen leisten auch psychologische Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen, in denen man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann.

Abwechslungsreiche Aktivitäten in den Alltag einbauen

Da eine künstliche Befruchtung und die dazugehörige Therapie die volle Konzentration der Beteiligten erfordern, sollten andere energiezehrende Projekte wie ein Umzug oder ein Jobwechsel erst mal aufgeschoben werden. Dennoch ist es wichtig, dass sich beide Partner auch gemeinsame Aktivitäten suchen, die sich nicht um das Thema Kinderwunsch drehen. Ein Kinobesuch, Konzerte und ein Treffen mit Bekannten können für Abwechslung sorgen. In Zeiten der Coronapandemie wäre auch ein Spaziergang oder ein Videochat mit Freunden denkbar, um eine soziale Isolation zu verhindern.

Das gemeinsame Leben nicht aus den Augen verlieren  

Zudem sollte man darauf achten, sich weiterhin Zuneigung entgegenzubringen. Gerade nach einer fehlgeschlagenen Kinderwunschbehandlung ist es wichtig, dass sich die Partner gegenseitig immer wieder klarmachen, was sie an dem jeweils anderen schätzen und lieben. Beide sollten sich auf die gleichen Werte besinnen und das gemeinsame Leben dabei nicht aus den Augen verlieren. Manchmal benötigt dieser Prozess Zeit, die man sich unbedingt nehmen sollte. Mit Ruhe und Zuversicht lässt sich diese schwere Phase am besten überstehen.

Erst danach kann man wieder nach vorne blicken und neue Ziele im Leben in Angriff nehmen. Und wer weiß, vielleicht ist die nächste Kinderwunschbehandlung bereits erfolgreich. Dann können die beiden Partner gestärkt ins Familienleben starten und gemeinsam die Elternrolle ausfüllen.

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