Von der Entzündung bis zum Verschluss: Diese Eileitererkrankungen beeinträchtigen die Fruchtbarkeit

Wenn die Ursachen einer ungewollten Kinderlosigkeit ergründet werden müssen, rücken die Eileiter (Tuben) schnell in den Fokus der behandelnden Ärzte. Schließlich spielen die schlauchförmigen Hohlorgane für den natürlichen Befruchtungsprozess eine wichtige Rolle. Eine Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit kann die Erfüllung des Kinderwunsches erschweren oder sogar verhindern. Deshalb sollte auf jeden Fall eine Untersuchung der Tuben durchgeführt werden, wenn sich die Familiengründung nicht wie geplant realisieren lässt. In vielen Fällen können Eileitererkrankungen nämlich behandelt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, eine In-vitro-Fertilisation durchführen zu lassen, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Welche Eileitererkrankungen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

 

Bedeutung der Eileiter für die Fruchtbarkeit

Um zu verstehen, weshalb die Eileiter eine so wichtige Rolle beim Erreichen einer Schwangerschaft spielen, werfen wir zunächst einen Blick auf den natürlichen Befruchtungsprozess: In den Eierstöcken einer gesunden Frau befinden sich Follikel (Eibläschen), in denen sich befruchtungsfähige Eizellen (Oozyten) entwickeln. In jedem Menstruationszyklus reifen darin mehrere Eizellen heran. Einer von ihnen springt circa 14 Tage vor dem Ende eines Zyklus auf, um seine Eizelle in einen der beiden Eileiter zu entlassen.

Haben Frauen Geschlechtsverkehr, bewegen sich Spermien durch die Gebärmutter in die beiden Eileiter und schwimmen der Eizelle entgegen. Treffen sich beide Gameten, kann es zu einer Befruchtung kommen. Die befruchtete Eizelle setzt anschließend ihren Weg in die Gebärmutter fort, um sich in der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) einzunisten.

Eileitererkrankung kann Durchgängigkeit beeinträchtigen  

Ist einer der beiden Eileiter aufgrund einer Erkrankung nicht durchgängig, kann es passieren, dass der Weg versperrt ist. Die befruchtete Eizelle kann die Gebärmutter dann nicht erreichen. Es ist außerdem möglich, dass sich Spermium und Eizelle aufgrund einer Eileitererkrankung nicht begegnen können, sodass eine Befruchtung gar nicht erst zustande kommt.

 

Eileiterentzündung  

Eine Gefahr für die Fruchtbarkeit stellt beispielsweise die Eileiterentzündung (Salpingitis) dar. Hierbei handelt es sich um eine Infektion, die meist durch Bakterien wie Chlamydien oder Gonokokken verursacht wird. Diese können beispielsweise beim Geschlechtsverkehr über die Scheide in die Eileiter gelangen. Der Salpingitis geht häufig eine Scheidenentzündung voraus, die zum Beispiel durch ungeschützten Sex oder die unsachgemäße Nutzung von Tampons und Menstruationstassen ausgelöst werden kann. In seltenen Fällen kommt es vor, dass Bakterien von einem anderen entzündeten Organ auf die Tuben übergehen.

Oft tritt gleichzeitig eine Entzündung der Eierstöcke auf. In diesem Fall sprechen Experten von einer Adnexitis.

Einige Frauen bemerken die Eileiterentzündung überhaupt nicht. Andere leiden unter schwerwiegenden Symptomen. Unter anderem können Unterleibs- und Bauchschmerzen in unterschiedlicher Intensität, Fieber, Kreislaufprobleme, Übelkeit, Schwächegefühle oder ein ungewöhnlicher Scheidenausfluss auftreten. Diagnostizieren lässt sich die Entzündung durch eine gynäkologische Tastuntersuchung und einen Abstrich aus der Scheide. Unter Umständen kann auch ein Ultraschall oder eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) notwendig sein.

Um eine Salpingitis zu behandeln, wird in der Regel ein Antibiotikum verabreicht. Manchmal ist ein Krankenhausaufenthalt ratsam, damit die Entzündungsentwicklung überwacht und im Falle einer Verschlechterung schnell eingegriffen werden kann. Wichtig ist, Fremdkörper wie Tampons oder die Spirale zu entfernen und sich zu schonen. Kommt es zu Komplikationen, ist die Entstehung von Abszessen möglich. Diese können wiederum eine Bauchfellentzündung zur Folge haben. Zudem können Verwachsungen und Verklebungen entstehen, die die Eileiter blockieren. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann es zu einer chronischen Entzündung kommen, die wiederum Vernarbungen nach sich ziehen kann. Diese haben ebenfalls Einfluss auf die Durchgängigkeit.

 

Endometriose

Bei der Endometriose handelt es sich um eine systemische Erkrankung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane. Diese führt dazu, dass gebärmutterschleimhautähnliche Zellen außerhalb der Gebärmutter auftreten und mit anderen Organen verwachsen. Endometrioseherde können beispielsweise an einem oder an beiden Eileitern auftreten. Dort beginnen sie dann zu wuchern und lösen dadurch Entzündungsreaktionen aus. Zudem kann es vorkommen, dass sich in der Folge an den Eileitern Zysten bilden. Da betroffene Organe durch die wachsenden Wucherungen sensibler werden, kann außerdem eine immunologische Störung entstehen, die dazu führt, dass der Körper Immunsubstanzen bildet. Anschließend können die entstehenden Immun- und Entzündungssubstanzen das Eintreten einer Schwangerschaft verhindern. Darüber hinaus kann der Eileiter durch die immer größer werdenden Wucherungen und durch entstehende Zysten blockiert sein.

Dennoch ist die Diagnose der Endometriose nicht ganz einfach. Schließlich äußert sie sich auf ganz unterschiedliche Weise. Einige Patientinnen bemerken überhaupt keine Symptome. Bei ihnen wird die Erkrankung meist erst festgestellt, wenn sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt. Andere kämpfen mit schmerzhaften Regelblutungen, wiederkehrenden Bauch- und Rückenschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder ständig auftretenden Zwischenblutungen.

Festgestellt wird die Erkrankung in der Regel mithilfe einer Bauchspiegelung. Wie eine Endometriose behandelt wird, hängt von ihrer Ausprägung ab. In der Regel werden die Endometrioseherde bei einer operativen Laparoskopie herausgeschnitten. Manchmal reicht aber auch eine medikamentöse oder hormonelle Therapie aus. Liegt kein Kinderwunsch vor, kann unter bestimmten Umständen eine Antibabypille Linderung verschaffen.

Frauen, die sich ein Baby wünschen, werden nach der Entfernung von Endometrioseherden oft auf natürliche Weise schwanger. Ist dies nicht der Fall, besteht die Möglichkeit, eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen.

 

Eileiterschwangerschaft

Wie bereits erwähnt, wandert eine Eizelle nach der Befruchtung durch den Eileiter zur Gebärmutter. Erreicht sie die Gebärmutter aber nicht und nistet sich stattdessen in einem Eileiter ein, entsteht eine sogenannte Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität). Dies passiert, wenn die Tuben angeborene Verformungen oder Ausbuchtungen aufweisen. Eizellen können dann darin hängenbleiben. Darüber hinaus kann der Weg aufgrund von Unfällen, Operationen oder Erkrankungen durch Knicke, Verklebungen, Narben, Verengungen, Zysten und Verwachsungen versperrt sein.

Eine Eileiterschwangerschaft verursacht meist Unterleibsschmerzen, Übelkeit oder Schmierblutungen. Wenn die Eizelle wächst und die Eileiterwand sowie die darin befindlichen Blutgefäße beschädigt werden, kann es zu inneren Blutungen kommen. In der Folge treten oft Kreislaufbeschwerden auf. Auch ein Kreislaufzusammenbruch ist möglich.

Diagnostizieren lässt sich eine Eileiterschwangerschaft in der Regel durch eine Blutuntersuchung, durch das Abtasten des Eileiters und durch einen Ultraschall. In den meisten Fällen stirbt der aus der Eizelle entstandene Embryo von allein ab und wird vom Körper abgestoßen. Wächst er aber weiter, muss in der Regel gehandelt werden. Entweder wird eine medikamentöse Behandlung oder ein chirurgischer Eingriff durchgeführt. Treten gravierende Blutungen auf, kann eine Entfernung der Eileiter notwendig sein.

 

Eileiterverformungen und -fehlbildungen

Die Funktionsfähigkeit der Tuben kann auch durch Verformungen eingeschränkt sein. Diese entstehen unter anderem durch Unfälle, operative Eingriffe, Myome oder Erkrankungen wie Endometriose. Fehlgeformte Tuben können aber auch angeboren sein. Es gibt zudem Frauen, die ohne Eileiter geboren werden.

Verformungen führen oft dazu, dass die Eileiter nicht durchgängig sind, sodass der Weg für Spermien und Eizellen versperrt ist. Betroffene Frauen bemerken eine Fehlbildung daher meist erst, wenn sich ein Kinderwunsch einstellt und nicht erfüllen lässt. Symptome haben sie in der Regel nicht.

Ob die Eileiter durchgängig sind, lässt sich mithilfe einer Hysterosalpingografie überprüfen. Bei dieser Untersuchung wird jodhaltiges Kontrastmittel mit einem Katheter in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Danach checkt ein Radiologe mithilfe einer Röntgenaufnahme, ob die Flüssigkeit problemlos durch die Eileiter fließt.

 

Eileiterverschluss

Bei einem Eileiterverschluss ist der Eileiter nicht durchgängig. Dafür verantwortlich sind in der Regel Verklebungen oder Verwachsungen. Deren Entstehung kann viele verschiedene Ursachen haben. Unter anderem können sie infolge von Eileiterentzündungen oder Endometriose entstehen.

Experten unterscheiden dabei zwischen einem partiellen Verschluss, bei dem nur einer der beiden Eileiter betroffen ist, und einem kompletten Verschluss, bei dem beide Seiten verschlossen sind. Ist Letzteres der Fall, können Betroffene nicht auf natürliche Weise schwanger werden. Bei einem einseitigen Verschluss ist das Erreichen einer Schwangerschaft zwar erschwert, aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Das Risiko, dass eine Eileiterschwangerschaft entsteht, ist jedoch erhöht.

Feststellen lässt sich ein Verschluss mithilfe der bereits erwähnten Hysterosalpingografie. In einigen Fällen lassen sich Verwachsungen oder Verklebungen anschließend durch eine Bauchspiegelung entfernen. Bei manchen Frauen kann die Durchgängigkeit auch durch eine Eileiterspülung verbessert werden.

 

Kinderwunsch durch In-vitro-Fertilisation erfüllen 

Führen Eileitererkrankungen zu irreparablen Schäden oder wird die Erfüllung des Kinderwunsches durch Verformungen, Blockaden und Verschlüsse erschwert, müssen Betroffene ihren Kinderwusch nicht aufgeben. In vielen Fällen besteht die Möglichkeit, eine In-vitro-Fertilisation durchführen zu lassen.

Dabei werden Eizellen aus dem Eierstock der Patientin entnommen und im Labor mit dem Sperma des Partners befruchtet. Nach ein paar Tagen kann der entstandene Embryo direkt in die Gebärmutter transferiert werden. Weder die Spermien noch die Eizellen müssen dann durch den Eileiter wandern. Stattdessen kann sich der Embryo direkt in der Gebärmutterschleimhaut einnisten.

Sie vermuten, von einer Eileitererkrankung betroffen zu sein? Das Team des IVF Baden-Baden stellt Ihnen im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgespräches gerne geeignete Diagnoseverfahren vor. Vereinbaren Sie einfach einen Termin unter der Telefonnummer 0172 7122573 oder nutzen Sie unser Kontaktformular.



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