Zellinjektion - künstliche Befruchtung. Nadelstich in die Zellmembran. Spermatozoon im Ei. Isoliert auf schwarzem Hintergrund.

Behandlungsverfahren: Was ist eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion?

Nicht jede Kinderwunschbehandlung verläuft nach dem gleichen Muster. Welche Diagnose- und Behandlungsverfahren zum Einsatz kommen, hängt stets von den Bedürfnissen und der medizinischen Vorgeschichte der jeweiligen Patientinnen und Patienten ab. Zu den wichtigsten reproduktionsmedizinischen Behandlungsmethoden zählt heute die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Dennoch ist bei Paaren mit Kinderwunsch nur wenig über diese Methode bekannt. Wie die ICSI abläuft, wie sich das Verfahren von der klassischen In-vitro-Fertilisation (IVF) unterscheidet und für wen es sich eignet, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Wie funktioniert eine ICSI?

Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) handelt es sich um ein Verfahren der assistierten Reproduktionsmedizin, bei dem ein Spermium mittels Mikroinjektion in das Zytoplasma der Eizelle injiziert wird, um eine Befruchtung zu erreichen.

Um eine ICSI durchführen zu können, muss der Patient zunächst eine Spermaprobe abgeben. Ein Embryologenteam wählt dann ein geeignetes Spermium aus der Probe aus und injiziert es unter dem Mikroskop in die Eizelle der Patientin.

Diese Fertilisationstechnik wird in der Regel angewendet, wenn Eizellen oder Spermien (Gameten) eine niedrige Qualität aufweisen.

Nach welchen Kriterien werden die Spermien ausgewählt?

Um die Befruchtungsfähigkeit der Spermien beurteilen zu können, prüfen Embryologen zunächst die Spermienkapazitation. Außerdem führen sie ein erweitertes Spermiogramm durch. Diese Untersuchungen geben Aufschluss über die Spermienkonzentration in der Samenflüssigkeit sowie über die Beweglichkeit und die Morphologie der Spermien.

Zudem werden molekulare Eigenschaften mithilfe folgender Tests untersucht:

  • DNA-Fragmentierung: Diese Untersuchung zeigt mithilfe der Durchflusszytometrie, wie hoch der Anteil an beschädigter DNA in den Samenzellen ist. Liegt dieser Wert über 25 Prozent ist die Befruchtungsfähigkeit der Spermien beeinträchtigt.
  • Zellapoptosetest: Die Apoptose, die auch als programmierter Zelltod bezeichnet wird, gibt Aufschluss über die Überlebensfähigkeit der Zellen. Wenn der Prozentsatz apoptotischer Zellen hoch ist, müssen diese Zellen vor der Befruchtung aus der Probe entfernt werden.

 

Wie unterscheidet sich eine ICSI von einer In-vitro-Fertilisation (IVF)?

Im Zusammenhang mit Kinderwunschbehandlungen wird neben der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion meist auch die In-vitro-Fertilisation erwähnt. Aus Sicht der Patientinnen und Patienten ist der Ablauf dieser Verfahren gleich. Beide Methoden erfordern in der Regel folgende Schritte:

  • Hormonelle Stimulation der Eierstöcke
  • Eizellentnahme
  • Abgabe einer Spermaprobe
  • Spermaaufbereitung
  • Durchführung der ICSI oder der IVF
  • Anlegen der Embryonenkultur
  • Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut
  • Embryotransfer
  • Vitrifikation von nicht transferierten Embryonen

Obwohl sich beide Verfahren auf den ersten Blick ähneln, handelt es sich um zwei unterschiedliche Formen der künstlichen Befruchtung. Der Hauptunterschied liegt in der Art der Befruchtung im Labor.

Bei der konventionellen IVF wird die aus den Eierstöcken entnommene Eizelle zusammen mit einem Tropfen Samenflüssigkeit in einer Petrischale platziert. Ohne außenstehende Hilfe befruchtet eines der enthaltenen Spermien anschließend die Eizelle.

Bei der ICSI-Technik ist die Intervention der Embryologen deutlich größer. Sie wählen die besten Spermien aus und führen diese – nach einer Aufbereitung – mithilfe eines hochwertigen Mikroinjektors direkt in die Eizelle ein.

Ein weiterer Unterschied liegt im Zeitpunkt der Eizelldekumulation. Rund um die Eizelle befinden sich nämlich Zellen, in die die Spermien eindringen müssen, um eine Befruchtung zu erreichen. Führen Embryologen eine ICSI durch, entnehmen sie diese Zellen vor der Injektion, um die Spermien besser in die Eizelle einführen zu können.

Bei der In-vitro-Fertilisation wird diese Dekumulation erst einen Tag nach dem Zusammenbringen von Spermien und Eizelle durchgeführt, um festzustellen, ob eine Befruchtung stattgefunden hat.

Für wen eignet sich welche Behandlung?

Für Patientinnen und Patienten stellt sich nun die Frage, welches Verfahren das richtige für sie ist. Die Antwort hängt von vielen verschiedenen individuellen Faktoren ab. Deshalb sollte eine Entscheidung gemeinsam mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Grundsätzlich wurde die ICSI-Methode entwickelt, um Fälle von schwerer männlicher Unfruchtbarkeit zu behandeln. Das Verfahren kommt in der Regel zum Einsatz, wenn die Spermienqualität so niedrig ist, dass weder durch eine Insemination noch durch eine konventionelle IVF eine Befruchtung erreicht werden kann. Auch nach einer Vasektomie oder nach einer fruchtbarkeitsbeeinträchtigenden Chemotherapie kann die ICSI eine Behandlungsoption darstellen. Unter bestimmten Umständen kommt die Durchführung einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion ebenfalls infrage, wenn bei einer Patientin eine niedrige Eizellqualität festgestellt wurde.

Im IVF Baden-Baden kommt die intrazytoplasmatische Spermieninjektion häufiger zum Einsatz als die IVF. Durch den Einsatz der ICSI-Methode können Embryologen nämlich die Befruchtungs- und damit die Einnistungsrate pro Zyklus erhöhen.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten?

Wie hoch die Chancen auf eine Schwangerschaft nach einer ICSI sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Hierbei spielen folgende individuelle Faktoren eine Rolle:

  • Kompetenz des Embryologen
  • Ursache der Unfruchtbarkeit
  • Qualität der Eizellen
  • Qualität der Spermien

Im Vergleich zur In-vitro-Fertilisation bietet die ICSI-Technik einen entscheidenden Vorteil: Das Verfahren ermöglicht die direkte Zusammenführung von Ei- und Samenzelle, wodurch die Befruchtung erleichtert wird. Vor allem für Spermien mit geringer Beweglichkeit oder schlechter Morphologie ist eine Befruchtung auf natürlichem Weg oder mithilfe der IVF-Technik deutlich schwieriger zu erreichen.

Aus diesem Grund setzt das Team des IVF Baden-Baden häufiger auf die ICSI-Methode. Bei 95 Prozent unserer Patienten und Patientinnen kommt die intrazytoplasmatische Spermieninjektion zum Einsatz.

Lässt sich eine hohe Eizellqualität nachweisen, kommt auch eine gemischte Befruchtung infrage. Dabei wird die Hälfte der Keimzellen für eine konventionelle IVF und die andere Hälfte für eine ICSI eingesetzt.

Individuelle Faktoren berücksichtigen

Welches Verfahren sich am besten für die jeweiligen Patientinnen und Patienten eignet, muss aber stets im Einzelfall entschieden werden. Wichtig ist es, umfangreiche Voruntersuchungen durchzuführen, um verschiedene Ursachen einer Unfruchtbarkeit ausschließen zu können. Sobald eine Diagnose gestellt werden konnte, sollten Patientinnen und Patienten mit dem behandelnden Arzt ausführlich über die im jeweiligen Fall infrage kommenden Optionen sprechen. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile kann dann eine Entscheidung getroffen und ein maßgeschneiderter Behandlungsplan erstellt werden.

Sie möchten mehr über die intrazytoplasmatische Spermieninjektion erfahren? Im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgespräches beantworten wir Ihnen gerne alle Fragen. Vereinbaren Sie einfach einen Termin unter der Telefonnummer 07221 7021701 oder nutzen Sie unser Kontaktformular.