Eizellen einfrieren: Hat eine Vitrifizierung Einfluss auf die Eizellqualität?

Ein alters- oder krankheitsbedingter Fruchtbarkeitsverlust muss nicht zwangsläufig das Ende der Familienplanung nach sich ziehen: Wer sich in der fruchtbarsten Phase des Lebens für eine Vitrifizierung entscheidet, kann sich die Chance auf eine Schwangerschaft in vielen Fällen über einen langen Zeitraum bewahren.

Vor der Durchführung dieser Kryokonservierungstechnik stellen sich Patientinnen meist die Frage, ob zwischen frischen und vitrifizierten Eizellen (Oozyten) ein Qualitätsunterschied besteht. Eine Antwort liefert eine vom IVF-Life-Team im Jahr 2021 durchgeführte Studie. Was die Untersuchung gezeigt hat und wie das Verfahren funktioniert, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

 

Was ist eine Vitrifizierung?

Bei der Vitrifizierung – auch Vitrifikation genannt – handelt es sich um eine spezielle Form der Kryokonservierung, bei der Eizellen oder Spermien eingefroren werden, um deren Zellaktivität zu stoppen. Zum Einsatz kommt dabei flüssiger Stickstoff, der ein extrem schnelles Einfrieren ermöglicht. Auf diese Weise lässt sich die Bildung von schädlichen Eiskristallen verhindern. Anschließend werden die Zellen bei einer Temperatur von minus 196 Grad Celsius gelagert, um den Alterungsprozess bis zum gewünschten Befruchtungszeitpunkt anzuhalten.

Bevor eine Eizelle vitrifiziert werden kann, muss zunächst eine Denudation erfolgen. Bei diesem Verfahren werden die Zellen, die die Oozyte umgeben (Granulosa), mithilfe eines Enzyms beseitigt.

 

Hat die Vitrifikation Einfluss auf den Ablauf einer Kinderwunschbehandlung?

Da bei der Denudation die Granulosa entfernt wird, können sich Eizelle und Spermium nicht mehr auf natürliche Weise befruchten. Daher ist eine konventionelle In-vitro-Fertilisation (IVF), bei der die Eizelle ohne Eingreifen eines Embryologen in einer Petrischale von einem Spermium befruchtet werden muss, nach einer Vitrifikation nicht mehr durchführbar. Stattdessen kann die Eizelle nur im Rahmen einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) befruchtet werden.

Bei diesem Verfahren wird ein Spermium unter dem Mikroskop per Mikroinjektion in die Oozyte eingeführt, um eine Befruchtung herbeizuführen. Anschließend entwickelt sie sich im Inkubator durch Zellteilung zu einem Embryo. Sobald dieser das Blastozystenstadium (5. bis 6. Entwicklungstag) erreicht hat, kann der Embryotransfer in die Gebärmutter der Patientin stattfinden.

Patientinnen sollten außerdem wissen, dass sowohl vor der Vitrifikation als auch vor einer Kinderwunschbehandlung mit frischen Eizellen die Durchführung einer Stimulation der Eierstöcke notwendig ist, um das Heranreifen qualitativ hochwertiger Eizellen zu fördern.

 

Garantieren frische Eizellen höhere Schwangerschaftsraten?

Eine im Jahr 2021 von IVF Life durchgeführte Studie hat gezeigt, dass frische Eizellen keine höheren Erfolgsraten garantieren. Demnach weisen die Schwangerschafts-, Einnistungs- und Lebendgeburtenraten beim Einsatz vitrifizierter Gameten und bei der Nutzung frischer Eizellen keine signifikanten Unterschiede auf. Laut der Studie ist die Zahl der aus vitrifizierten Gameten entstandenen Blastozysten jedoch um 8 Prozent niedriger als die Zahl der aus frischen Zellen hervorgegangenen Blastozysten. Wie lässt sich dieser Unterschied erklären?

Hier spielt möglicherweise der Vitrifikations- oder der Auftauprozess eine Rolle. Die Ärzte von IVF Life gehen davon aus, dass ein künstlicher Eingriff die Erfolgschancen der Kinderwunschbehandlung minimal verringern könnte. Zudem hat der Embryologe bei der Verwendung frischer Eizellen die Möglichkeit, die besten Exemplare aus den bei der Eierstockstimulation gewonnenen Eizellen auszuwählen oder bei Bedarf eine erneute ovarielle Stimulation durchzuführen. Bei der Verwendung gefrorener Gameten beschränkt sich die Auswahl auf die eingefrorenen Eizellen. In der Regel werden pro Patientin circa 15 bis 20 Eizellen eingefroren. Da sich die Oozytenanzahl mit zunehmendem Alter verringert, können bei über 30-Jährigen eventuell auch weniger Eizellen zur Verfügung stehen.

Hinzu kommt, dass beim Auftauvorgang einige Exemplare beschädigt werden können. Embryologen müssen daher besonders vorsichtig mit den Eizellen umgehen. Beim Auftauen von Spermien ist der Verlust einiger Exemplare kein Problem, da in der Spermaprobe eines gesunden Mannes in der Regel mehrere Millionen Samenzellen vorhanden sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vitrifizierung ein sicheres Verfahren darstellt. Mit zuvor eingefrorenen und aufgetauten Gameten können ähnliche Ergebnisse erzielt werden wie mit frischen Zellen. Eine Garantie, dass eine Schwangerschaft nach einer Vitrifizierung eintritt, gibt es allerdings nicht.

 

Wann sollte eine Kryokonservierung durchgeführt werden?

Grundsätzlich sollte das Verfahren nur in den Fällen durchgeführt werden, in denen Eizellen oder Spermien eine hohe Qualität aufweisen. Deshalb ist es ratsam, eine Kryokonservierung zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr durchführen zu lassen, weil die Qualität der Zellen mit zunehmendem Alter sinkt. Da viele verschiedene Faktoren Einfluss auf den Zustand von Eizellen und Spermien haben, muss stets im Einzelfall entschieden werden, ob sich Gameten für eine Kryokonservierung eignen.

Sie möchten mehr über die Vitrifikation erfahren? Das Team des IVF Baden-Baden beantwortet gerne Ihre individuellen Fragen. Vereinbaren Sie einfach einen unverbindlichen Beratungstermin unter der Telefonnummer 0172 7122573 oder nutzen Sie unser Kontaktformular.