Spermienqualität

Spermieninsuffizienz: Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen bei verminderter Spermienqualität zur Verfügung?

Die Nachricht, dass sie unter einer verminderten Spermienqualität leiden, kommt für betroffene Männer meist überraschend: Oftmals sind die Patienten kerngesund sowie schmerz- und beschwerdefrei; erst wenn die Familienplanung nicht wie gewünscht verläuft und sie den Ursachen einer ungewollten Kinderlosigkeit auf den Grund gehen, erfahren viele von ihnen von der Spermieninsuffizienz.

Zudem stellt das Team des IVF Baden-Baden in seinen Sprechstunden oft fest, dass nur die wenigsten über eine verminderte Spermienqualität sprechen möchten. Für viele Männer stellt die Diagnose sogar ein Tabuthema dar. Dabei kann ein Gespräch mit einem Experten oder einer Expertin manchmal viel verändern: In der Reproduktionsmedizin steht eine Vielzahl von Behandlungsmethoden zur Verfügung, mit deren Hilfe sich die Chance auf die Realisierung des Babytraumes in vielen Fällen deutlich steigern lässt. Die wichtigsten Behandlungsoptionen für Männer mit geringer Spermienqualität haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Spermienqualität mithilfe des Spermiogramms beurteilen

Bevor geeignete Behandlungsoptionen aufgezeigt werden können, muss zunächst geklärt werden, ob eine ungewollte Kinderlosigkeit tatsächlich auf die Spermienqualität des Patienten zurückzuführen ist. Dies lässt sich in der Regel mithilfe eines sogenannten Spermiogramms herausfinden. Hierbei handelt es sich um eine Ejakulatanalyse, bei der Spermienkonzentration, -beweglichkeit und -morphologie untersucht werden. Mithilfe dieser Parameter können Reproduktionsmediziner und Reproduktionsmedizinerinnen die Spermienqualität in vielen Fällen beurteilen.

Allerdings gibt es weitere Faktoren, die einen entscheidenden Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit haben. Diese lassen sich mit dem konventionellen Verfahren jedoch nicht nachweisen. Das Team des IVF Baden-Baden setzt deshalb auf das erweiterte Spermiogramm, das neben den genannten Faktoren zusätzliche Aspekte der Spermienfunktionalität analysiert.

Dieses Diagnoseverfahren umfasst unter anderem

  • einen DNA-Fragmentierungstest,
  • eine Untersuchung der Zellapoptose,
  • einen Y-Chromosom-Mikrodeletionstest,
  • eine Untersuchung des Ploidiegrades und
  • einen Test zur Untersuchung des oxidativen Stresses.

Das erweiterte Spermiogramm liefert Ärztinnen und Ärzten wichtige Informationen über die Samenqualität. Dennoch ist meist die Durchführung zusätzlicher Diagnoseverfahren wie Ultraschalluntersuchungen oder Hormonanalysen notwendig, um andere Erkrankungen oder weitere Fruchtbarkeitsbeeinträchtigungen auszuschließen. Auf Basis der Ergebnisse kann dann eine präzise Diagnose gestellt werden.

Samen via Insemination direkt in die Gebärmutter übertragen

Zeigt das Spermiogramm, dass sich zu wenige oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Spermien im Ejakulat befinden, könnte eine Insemination als Behandlungsoption infrage kommen. Um dieses Verfahren durchführen zu können, muss der Patient eine Samenprobe abgeben. In einem andrologischen Speziallabor werden die im Ejakulat enthaltenen Spermien aufbereitet und zum Zeitpunkt des Eisprungs mithilfe eines Katheters in die Gebärmutterhöhle der Partnerin eingeführt. Auf diese Weise wird die Strecke zum Eileiter verkürzt. Somit müssen bewegungseingeschränkte Samenzellen den Weg von der Vagina durch den Muttermund bis zum Eileiter nicht selbst zurücklegen.

Außerkörperliche Befruchtung mithilfe der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion

Wenn die Spermienqualität sehr schlecht ist oder eine Insemination fehlschlägt, besteht auch die Möglichkeit, eine sogenannte intrazytoplasmatische Spermieninjektion – kurz: ICSI – durchzuführen. Hierbei handelt es sich um eine Form der künstlichen Befruchtung, bei der die Eizellen (Oozyten) aus dem Eierstock einer Frau entnommen, im Labor mit dem Samen des Partners befruchtet und anschließend in die Gebärmutter transferiert werden.

Anders als bei einer In-vitro-Fertilisation (IVF), bei der die Samenzelle die Eizelle in einer Petrischale selbst auf natürliche Weise befruchtet, muss bei einer ICSI ein Embryologe nachhelfen. Dieser wählt ein optimales Spermium aus und befruchtet die Eizelle damit per Mikroinjektion unter dem Mikroskop.

Mit der testikulären Spermienextraktion Samenzellen aus Hodengewebe gewinnen

Können in der Samenprobe eines Mannes überhaupt keine Spermien oder nur komplett bewegungsunfähige Samenzellen nachgewiesen werden, kann unter Umständen die testikuläre Spermienextraktion (TESE) eine Option darstellen. Bei dieser reproduktionsmedizinischen Behandlung wird im Rahmen eines minimalinvasiven Eingriffs Gewebe aus dem Hoden des Patienten entnommen. Reproduktionsspezialisten oder -spezialistinnen prüfen die dabei erhaltene Probe anschließend im Labor und versuchen befruchtungsfähige Spermien aus dem Gewebestück für eine ICSI zu gewinnen. Die Operation wird unter Lokalanästhesie oder, wenn gewünscht, auch unter Vollnarkose durchgeführt. TESE eignet sich auch für Patienten, bei denen keine Ejakulation möglich ist oder bei denen eine Vasektomie durchgeführt wurde.

Langfristiger Fruchtbarkeitserhalt durch Kryokonservierung

Es kann aber auch vorkommen, dass sich die Fruchtbarkeit im Laufe des Lebens verändert. Studien haben gezeigt, dass die männliche Fertilität ab dem 40. Lebensjahr nachlässt, da Spermienqualität und -produktion abnehmen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass schwere Erkrankungen und die damit verbundenen Behandlungen die Fruchtbarkeit dauerhaft einschränken können. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn sich Männer einer Chemotherapie oder bestimmten operativen Eingriffen wie Hodenentfernungen unterziehen müssen. Auch Autoimmun- und Verschlusserkrankungen können Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben. Ist eine Einschränkung der Fertilität zu erwarten, haben Männer die Möglichkeit, ihre gesunden Spermien im Rahmen einer Kryokonservierung vorsorglich einfrieren zu lassen. Die Patienten haben dann die Chance, zu einem späteren Zeitpunkt trotz eingeschränkter Fruchtbarkeit ein Kind mit ihrem eigenen Sperma zu zeugen.

Verbesserung der Spermienqualität durch Veränderung des Lebensstils

In manchen Fällen können Männer aber auch selbst etwas tun, um die Spermienqualität zu verbessern. Schließlich haben viele alltägliche Faktoren Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Daher kann es unter Umständen sinnvoll sein, seinen Lebensstil zu verändern, wenn man einen Kinderwunsch hegt.

Wichtig ist zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, die dem ganzen Körper guttut. Auf dem Speiseplan sollten aus diesem Grund vitaminreiche und fettarme Lebensmittel wie Obst und Gemüse stehen. Aber auch Fisch und Nüsse können einen positiven Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit haben. Zudem sollte auf gentechnisch veränderte Speisen, Konservierungsmittel und Aromen wie Glutamat verzichtet werden. Lohnen kann es sich außerdem, auf sein Körpergewicht zu achten und sowohl Über- als auch Untergewicht zu vermeiden.

Darüber hinaus wirken sich Nikotin und Alkohol negativ auf die Fertilität aus. Wer es mit dem Kinderwunsch ernst meint, sollte deshalb unbedingt auf das Rauchen und auf übermäßigen Alkoholkonsum verzichten. Stress kann ebenfalls schädlich für die Fruchtbarkeit sein. Sport tut dem Körper hingegen gut und kann unter Umständen auch den Spermien auf die Sprünge helfen – allerdings sollte nicht zu exzessiv trainiert werden.

Da Spermien keine Hitze vertragen, sollten Männer mit Kinderwunsch ihre Hoden vor Wärme schützen. Ist es zu warm, sinkt sowohl die Zahl der Spermien als auch ihre Beweglichkeit. Sinnvoll ist es beispielsweise, auf heiße Bäder, auf das Einschalten der Sitzheizung im Auto oder auf das Verstauen des Smartphones in der Hosentasche zu verzichten.

Familiengründung mithilfe der Samenspende

Will sich der Kinderwunsch trotz eines gesunden Lebensstils einfach nicht erfüllen, sollten betroffene Männer einen Reproduktionsmediziner oder eine Reproduktionsmedizinerin aufsuchen, um den Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit auf den Grund zu gehen. Lässt sich eine Schwangerschaft wegen der Spermienqualität weder auf natürlichem Weg noch durch eine künstliche Befruchtung erreichen, besteht die Möglichkeit, eine Samenspende zu nutzen. Paare können dann eine Samenprobe aus einer Samenspenderbank auswählen und die Spermien im Rahmen einer Insemination in die Gebärmutter der Frau transferieren lassen.

In vielen Fällen können die oben genannten Behandlungsverfahren betroffenen Männern aber auch bei einer diagnostizierten Unfruchtbarkeit die Chance geben, ein Kind mit ihrem eigenen Sperma zu zeugen. Ob eine Therapie tatsächlich möglich ist und welche Verfahren sich eignen, muss in jedem Einzelfall individuell geprüft werden.

Sie möchten mehr über unsere Diagnose- und Behandlungsverfahren für Männer erfahren? Im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgespräches beantworten wir gerne Ihre Fragen und versorgen Sie mit allen wichtigen Informationen. Vereinbaren Sie einen Termin unter der Telefonnummer 07221 7021701 oder über unser Kontaktformular.