Endometriose Fruchtbarkeit

Tückische Verwachsungen: Wie Endometriose die Fruchtbarkeit beeinflusst

Da Endometriose immer häufiger in der medialen Berichterstattung Erwähnung findet und zunehmend mehr Betroffene öffentlich über ihren Leidensweg sprechen, rückt die gynäkologische Erkrankung ganz langsam ins gesellschaftliche Bewusstsein. Meist wird die Endometriose mit starken Unterleibsschmerzen assoziiert. Dass die Endometriose auch die Fruchtbarkeit beeinflusst und  zu Unfruchtbarkeit führen kann, wissen aber nach wie vor die wenigsten. Um darüber aufzuklären, inwiefern Endometriose die Fertilität beeinflusst, haben wir einige wichtige Fragen zu diesem Thema gesammelt und im Folgenden beantwortet.

Was ist Endometriose?

Um aufzeigen zu können, welche Auswirkungen die Erkrankung auf einen Kinderwunsch hat, müssen wir zunächst einen Blick auf das eigentliche Krankheitsbild werfen: Bei Endometriose handelt es sich um eine gutartige chronische Erkrankung, die sich durch das Auftreten von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter auszeichnet. Dort verwächst sie mit anderen inneren Organen wie der Gebärmutterwand, dem Eileiter, der Eierstöcke, dem Darm, der Blase oder dem Bauchfell. Dabei können unterschiedliche Schweregrade auftreten. In der assistierten Reproduktion sprechen wir von den Stadien I (minimal), II (leicht), III (moderat) und IV (schwer).

Während im ersten Stadium nur oberflächliche Verwachsungen (Adhäsionen) im Eierstock vorkommen, sind im letzten Stadium große Teile der Eierstöcke befallen. In vielen Fällen sind diese Adhäsionen aber nicht nur an den Fortpflanzungsorganen, sondern auch in anderen Bereichen des Körpers zu finden.

Welche Ursachen liegen einer Endometriose zugrunde?

Leider sind die Ursachen der Endometriose noch unbekannt. In der Reproduktionsmedizin werden aber verschiedene Theorien über den Ursprung der Erkrankung diskutiert:

  • Retrograde Menstruation

Nach dieser Theorie gelangen Endometriumzellen der Menstruation durch die Eileiter in die Eierstöcke und die Bauchhöhle. Nisten sie sich dort ein, entsteht die Endometriose.

  • Zölom-Metaplasie-Theorie

Endometriosezellen entstehen laut dieser Theorie aus Stammzellen im Bauchfell und wandeln sich an den Wucherungsherden in Endometriumgewebe um.

  • Immunsystem

Laut dieser Theorie kann eine fehlende Immunabwehr dafür verantwortlich sein, dass kleine Endometrioseherde im Gewebe toleriert werden und eine klinische oder subklinische Endometriose erzeugen.

Zwar ist es heute noch unmöglich, die Erkrankung zu heilen, die Symptome, an denen Patientinnen mit Endometriose leiden, sind in den meisten Fällen aber behandel- und damit linderbar. Da sich der Ursprung der Krankheit nicht zweifelsfrei bestimmen lässt, kann es jedoch vorkommen, dass sich Verwachsungen nach der Beseitigung erneut bilden und nach einer gewissen beschwerdefreien Zeit wieder Schmerzen auftreten.

Verringert Endometriose die Fruchtbarkeit und Chancen auf Erfüllung eines Kinderwunsches?

Viele Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass eine Endometriose in 30 bis 50 Prozent aller Fälle zu Unfruchtbarkeit führt. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn sich durch die Verwucherungen Narben in den Eileitern oder Eierstöcken gebildet haben. Möglich ist es auch, dass die mit der Endometriose einhergehende Veränderung der Gebärmutterschleimhaut eine Einnistung des Embryos und damit das Erreichen einer Schwangerschaft verhindert. Zudem kommt es in einigen Fällen vor, dass die Erkrankung zu einer hormonellen Störung führt, die den Eisprung beeinträchtigen kann.

Wie wird Endometriose diagnostiziert?

Endometriose zweifelsfrei festzustellen, ist aufgrund der unspezifischen Symptome nicht ganz einfach. Im Durchschnitt dauert es bei einer Patientin circa acht Jahre, bis eine Diagnose erfolgt. Die Erkrankung kann sich beispielsweise durch menstruationsschmerzartige Unterleibskrämpfe, Bauch- oder Rückenschmerzen sowie durch Zwischenblutungen äußern. Einige Frauen verspüren Schmerzen beim Urinieren oder beim Geschlechtsverkehr. Manchmal treten aber auch gar keine Symptome auf. Deshalb ist bei einem Endometrioseverdacht eine gründliche Anamnese unabdingbar.

Die endgültige Diagnose wird in der Regel durch einen vaginalen Ultraschall gestellt. Bei einer schweren Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein und eine Laparoskopie ist notwendig. Hierbei handelt es sich um eine minimalinvasive Untersuchung, mit deren Hilfe Zysten (auch Endometriome oder Schokoladenzysten genannt) und Verwachsungen im Becken nachgewiesen werden können.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, einen Bluttest durchzuführen, um den sogenannten CA-125-Spiegel zu analysieren. Dieses Protein ist ein Tumormarker, dessen Wert bei bestimmten Krebsarten und bei anderen Erkrankungen wie Endometriose I und II erhöht sein kann. Allerdings liefert dieser Test keine zweifelsfreie Erkenntnis, da die Werte durch Myome, Eierstockkrebs oder die Menstruation beeinflusst werden können.

Wie lässt sich Endometriose behandeln?

Je nach Endometriosegrad kann die Behandlung mit Schmerzmitteln, Kontrazeptiva oder anderen hormonellen und nichthormonellen Therapiemöglichkeiten erfolgen. Bei vielen Patientinnen lassen sich die Symptome auf diese Weise spürbar lindern. Stellt sich keine Verbesserung ein, kann zudem eine Operation notwendig sein. Ein operativer Eingriff kommt unter Umständen auch infrage, wenn sich die Endometrioseherde auf weitere Organe wie Nieren oder den Darm ausgebreitet haben.

Besteht ein Kinderwunsch, können Fachärztinnen und -ärzte eine Laparoskopie durchführen und dabei Wucherungen entfernen. Bei Bedarf lassen sich anschließend reproduktionsmedizinische Verfahren einsetzen.

Welche reproduktionsmedizinischen Verfahren stehen für Frauen mit Endometriose zur Verfügung?

Erhält eine Frau die Diagnose Endometriose, muss sie ihren Kinderwunsch nicht zwangsläufig aufgeben. Viele Betroffene bekommen dennoch auf natürlichem Weg gesunde Kinder. Klappt es nicht, ist der Traum von der Familiengründung noch nicht ausgeträumt. Unter bestimmten Umständen kann die assistierte Reproduktionsmedizin Patientinnen doch noch die Chance geben, schwanger zu werden.

Für Frauen mit mittelschwerer oder schwerer Endometriose kommt gegebenenfalls die Durchführung einer In-vitro-Fertilisation infrage. Dieses Verfahren wird meist auch dann eingesetzt, wenn zuvor bereits eine künstliche Befruchtung fehlgeschlagen ist.

Da die Endometriose eine progressive Krankheit ist, bei der die Fruchtbarkeit im Laufe der Zeit immer stärker beeinträchtigt werden kann, empfehlen die Ärztinnen und Ärzte des IVF Baden-Baden in einigen Fällen die Durchführung einer Kryokonservierung. Dieses Verfahren gibt Frauen die Möglichkeit, die Familiengründung einige Jahre aufzuschieben und später trotz fortgeschrittener Endometriose schwanger zu werden. Wenn sie bereit für ein Baby sind, können die Eizellen (Oozyten) mithilfe einer Kinderwunschbehandlung befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt werden. Das Einfrieren der Oozyten kommt aber nur infrage, wenn die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert werden konnte und wenn eine leichte oder moderate Endometriose vorliegt. Eine Kryokonservierung wird nämlich in der Regel vor dem 35. – im Idealfall vor dem 30. – Lebensjahr durchgeführt. Je älter die Eizellen sind, desto geringer ist schließlich die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft.

Wie wirkt sich eine Schwangerschaft auf Endometriose aus?

In vielen Fällen verbessern sich die Symptome der Endometriose während einer Schwangerschaft, da durch das Aussetzen der eisprungregulierenden Hormonausschüttung in dieser Zeit kein Menstruationszyklus stattfindet. Die Eierstöcke produzieren dann keine Östrogene. Hormone, die das Wachstum und die Entwicklung der Endometriumzellen begünstigen, werden somit nicht ausgeschüttet.

Warum ist es wichtig, auf Endometriose aufmerksam zu machen?

Obwohl schätzungsweise rund 170 Millionen Frauen auf der Welt an Endometriose leiden, wurde in der Vergangenheit nur wenig über die Erkrankung geredet. Auch wenn sich mittlerweile immer mehr Betroffene trauen, über ihre Erfahrungen zu sprechen, ist nach wie vor zu wenig über die gynäkologische Krankheit in der Gesellschaft bekannt. Dabei können die mit Endometriose einhergehenden Symptome wie Schmerzen oder Unfruchtbarkeit das Leben der erkrankten Frauen stark beeinträchtigen. Für viele Betroffene stellt die Krankheit außerdem eine psychische Belastung dar – insbesondere dann, wenn die Beschwerden nicht ernst genommen werden. Depressionen und Angstzustände können die Folge sein. Umso wichtiger ist es, auf Endometriose und ihre Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit aufmerksam zu machen und Menschen über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Eine erste Anlaufstelle für Betroffene und Interessierte stellt die Stiftung Endometriose-Forschung dar. Wer den Verdacht hat, an einer Endometriose erkrankt zu sein, kann auch ins IVF Baden-Baden kommen, um sich beraten zu lassen und Gewissheit zu erlangen.

Sie möchten mehr über die Behandlungsmöglichkeiten bei Endometriose erfahren? Das Team des IVF Baden-Baden ist auf die Diagnose und Behandlung der Erkrankung spezialisiert und beantwortet Ihnen gerne alle Fragen. Vereinbaren Sie einen Termin unter der Telefonnummer 07221 7021701 oder über unser Kontaktformular.