Embryotransfer

Embryotransfer: Wie viele Embryonen sollten übertragen werden?

Genau wie bei einer natürlichen Befruchtung kann es auch bei einer Kinderwunschbehandlung passieren, dass sich zwei oder mehr Embryonen in der Gebärmutter einnisten. Das heißt, es ist theoretisch möglich, dass Patientinnen nach einer künstlichen Befruchtung Zwillinge oder sogar Mehrlinge zur Welt bringen, wenn beim Embryotransfer mehr als ein Embryo übertragen wurde. Einerseits dürfen sich die werdenden Eltern in diesem Fall über doppeltes oder sogar dreifaches Babyglück freuen, andererseits bergen Mehrlingsschwangerschaften aber auch immer Risiken für die werdende Mutter und ihr Kind.

Reproduktionsmediziner diskutieren deshalb intensiv darüber, ob beim Embryotransfer im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation ein einzelner oder mehrere Embryonen übertragen werden sollten. Je mehr Embryonen transferiert werden, desto höher ist nämlich auch die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft. Daher empfehlen die Ärzte und Ärztinnen des IVF Baden-Baden, bei jedem Transfer lediglich einen einzelnen Embryo zu übertragen. Was für dieses Vorgehen spricht, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Mehr Schwangerschaften dank Reproduktionsmedizin

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Kinder, die von Müttern über 40 Jahren geboren wurden, in Deutschland gestiegen. Der späte Kinderwunsch und die mit dem zunehmenden Alter verschlechterte Qualität von Eizellen und Spermien führen aber dazu, dass immer mehr Paare auf die Hilfe von Kinderwunschkliniken zurückgreifen müssen, um schwanger zu werden. Viele Experten gehen davon aus, dass die Anwendung reproduktionsmedizinischer Verfahren als Grund für die Zunahme von Mehrlingsschwangerschaften ausgemacht werden kann.

Eine Rolle könnte unter anderem die Anzahl der bei einer In-vitro-Fertilisation übertragenen Embryonen spielen. Bei diesem Verfahren werden zunächst Eizellen aus den Eierstöcken der Frau entnommen und im Labor mit den Samen des Partners befruchtet. Sobald die dabei entstehenden Embryonen ein bestimmtes Entwicklungsstadium erreicht haben, werden sie in die Gebärmutter eingesetzt, damit sie sich dort einnisten können. Dieses Verfahren nennt man Embryotransfer. Vor diesem Eingriff müssen die behandelnden Ärzte und Ärztinnen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten entscheiden, ob sie entweder einen oder mehrere Embryonen übertragen.

Einfluss der Embryonenzahl auf die Schwangerschaftsrate

Zunächst sollten Frauen mit Kinderwunsch wissen, dass der Transfer eines einzigen Embryos die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft so gut wie kaum verringert. Zwar kann die Erfolgswahrscheinlichkeit pro Transfer in wenigen Fällen höher sein, als beim Transfer eines einzelnen Embryos. Allerdings werden die im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung entnommenen und im Labor befruchteten Eizellen eingefroren. Diese können für weitere Transfers genutzt werden, falls eine Einnistung beim ersten Versuch scheitert. Somit ist die Schwangerschaftschance am Ende eines Behandlungszyklus beim Transfer eines Embryos genauso hoch oder sogar höher als bei der gleichzeitigen Übertragung von zwei Embryonen.

Das Team des IVF Baden-Baden spricht sich deshalb dafür aus, die Embryonen im Blastozystenstadium (5. Entwicklungstag) einzeln zu übertragen. Auf diese Weise können die Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft und die damit verbundenen Komplikationen minimiert werden.

Den optimalen Embryo für den Embryotransfer bestimmen

Viel wichtiger als eine hohe Embryonenzahl ist die Qualität der Embryonenkultur. Daher müssen Embryologen die zur Verfügung stehenden Embryonen genau untersuchen und das am besten geeignete Exemplar auswählen.

Folgende Faktoren werden bei dieser Analyse berücksichtigt:

  • die Anzahl und das Aussehen der Zellen, aus denen der Embryo besteht (morphologisch),
  • die Zellteilungsrate (kinetisch) und
  • die chromosomale Zusammensetzung (genetisch).

Dank eines erheblichen technologischen Fortschritts können bei der Embryonenanalyse heute präzisere Instrumente zum Einsatz kommen als noch vor einigen Jahren. Techniken wie das Time-Lapse-Monitoring oder die Untersuchung der Endometrium-Rezeptivität (ER Map®) helfen zum Beispiel bei der Embryonenauswahl und beim Festlegen des optimalen Transferzeitpunktes.

Endometriale Faktoren nicht außer Acht lassen

Neben der Embryonenauswahl müssen auch endometriale Faktoren Berücksichtigung finden. Schließlich kann ein Embryo nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt übertragen werden. Zuvor bedarf es einer Reihe von Schritten zur Vorbereitung der Gebärmutter, damit sich der Embryo korrekt einnisten und sich im Laufe der Schwangerschaft gesund entwickeln kann.

Transfer mehrerer Embryonen bei niedriger Embryonenqualität

Wie viele Embryonen letztlich transferiert werden, muss von Fall zu Fall individuell beurteilt werden. Unter bestimmten Umständen kann es sinnvoll sein, mehrere Embryonen gleichzeitig zu transferieren. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Transfer am 2. oder 3. Tag der Embryonalentwicklung erfolgt und die Ärzte oder Ärztinnen davon ausgehen müssen, dass nicht alle Exemplare das Blastozystenstadium erreichen werden.

Auch bei Frauen, bei denen eine altersbedingte Veränderung der Embryonenqualität festgestellt wird, kann gegebenenfalls ein Transfer mehrerer Embryonen sinnvoll sein.

Risiken beim Transfer mehrerer Embryonen

Dies sollte aber nur in Ausnahmefällen erfolgen. Schließlich steigt mit der Anzahl der transferierten Embryonen die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mehrlingsschwangerschaft eintritt. Diese geht wiederum mit einem erhöhten Komplikations-, Frühgeburts- und Abortrisiko einher. Auch die Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen, Wachstumsstörungen oder neurologischen Schäden wächst. Zudem steigt das Risiko für die werdende Mutter, an einer Präeklampsie oder an einer Anämie zu erkranken.

Überzählige Embryonen einfrieren

Wenn mehrere Blastozystenembryonen im Labor gewonnen werden können und sich der Kinderwunsch direkt nach dem ersten Transfer erfüllt, müssen Patientinnen und Patienten entscheiden, was mit den nicht transferierten Embryonen passiert. Sie haben dann mehrere Möglichkeiten: Unter anderem können die Embryonen eingefroren und für spätere Kinderwunschbehandlungen genutzt werden.

Eine andere Option, die in Deutschland leider verboten ist, in anderen Ländern, wie Spanien, jedoch angeboten wird, ist die Spende der Embryonen. Möchten die frischgebackenen Eltern keine weiteren In-vitro-Fertilisationen durchführen, können die Embryonen an kinderlose Paare oder für Forschungszwecke gespendet werden. Kommt diese Option für die Patientinnen und Patienten nicht infrage, werden die Embryonen vernichtet.

Risiken für Mutter und Kind minimieren

Wie viele Embryonen letztlich übertragen werden, müssen die behandelnden Ärzte und Ärztinnen stets im Einzelfall entscheiden. Schließlich sind alle Patientinnen und Patienten unterschiedlich. Die Übertragung mehrerer Embryonen sollte jedoch nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden. Um Risiken für Mutter und Kind zu minimieren, empfehlen die Ärzte und Ärztinnen des IVF Baden-Baden, möglichst nur einen Embryo pro Transfer zu übertragen.

Sie möchten mehr über den Embryotransfer erfahren? Im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgespräches beantworten wir gerne Ihre Fragen und versorgen Sie mit allen wichtigen Informationen. Vereinbaren Sie einen Termin unter der Telefonnummer 07221 7021701 oder über unser Kontaktformular.