Einnistungsstörung

Rezeptivitätsanalyse und immunologischer Test: Den Ursachen einer Einnistungsstörung auf den Grund gehen

Selbst wenn sich bei Patientinnen und Patienten keine Fruchtbarkeitsprobleme feststellen lassen, kann es passieren, dass der erhoffte Erfolg der Kinderwunschbehandlung ausbleibt. Manchmal erleiden Frauen ohne ersichtlichen Grund eine Fehlgeburt; in einigen Fällen stellt sich eine Schwangerschaft gar nicht erst ein. Schafft es der Embryo nicht, sich problemlos in der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) einzunisten, sprechen Reproduktionsspezialisten vom sogenannten Implantationsversagen. Nicht immer ist sofort klar, welche Ursachen für die Einnistungsprobleme verantwortlich sind. Schließlich können vielfältige Gründe dahinterstecken, einer davon könnte eine Einnistungsstörung sein.

Weshalb die Interaktion von Embryonen mit der Gebärmutterschleimhaut eingeschränkt ist, lässt sich jedoch mithilfe verschiedener Diagnoseverfahren näher untersuchen. Hinweise können zum Beispiel Rezeptivitätstests oder immunologische Tests liefern.

Einnistungsversuche nach der künstlichen Befruchtung

Bevor wir diese beiden Verfahren ausführlich beleuchten, werfen wir zunächst einen Blick auf den Prozess, der nach einer künstlichen Befruchtung im Körper ablaufen sollte: Damit nach einer In-vitro-Fertilisation eine Schwangerschaft erreicht werden kann, muss sich der im Labor entwickelte Embryo nach dem Transfer in die Gebärmutter in der Gebärmutterschleimhaut einnisten. Schlägt dieser Vorgang trotz guter Embryonenqualität mindestens dreimal fehl, sprechen Experten von einer Einnistungsstörung.

Wenn Paare versuchen, ohne Kinderwunschbehandlung schwanger zu werden, muss der Einnistungsvorgang ebenfalls stattfinden. In diesem Fall befruchtet das Spermium die Eizelle aber im Eileiter. Wenn sich der Embryo entwickelt hat, wandert dieser weiter in die Gebärmutter.

Einnistungsstörung – Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einnistung

Grundsätzlich lassen sich drei Hauptfaktoren ausmachen, die den Erfolg einer Embryoimplantation im Rahmen der assistierten Reproduktion beeinflussen: die Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut, die Embryonenqualität und die Effizienz der Transfertechnik. Das heißt: Wird der Transfer in einem gesunden Endometrium mit einem Embryo von guter Qualität durchgeführt, ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Einnistung sehr hoch.

Den optimalen Transferzeitpunkt bestimmen

Einen weiteren wichtigen Faktor stellt das Timing dar. Im Rahmen der assistierten Reproduktion muss der Embryotransfer nämlich zum optimalen Zeitpunkt des Zyklus innerhalb eines bestimmten Implantationsfensters erfolgen. In dieser Zeitspanne weist die Gebärmutterschleimhaut ideale Bedingungen für die Embryonenaufnahme auf. Hierbei handelt es sich in der Regel um den Zeitraum zwischen dem 20. und dem 24. Tag des Menstruationszyklus. Dieser dauert meist vier Tage an.

Bei einigen Frauen ist dieses Implantationsfenster jedoch verschoben. Im IVF Baden-Baden stellen wir dieses Problem bei etwa 20 bis 25 Prozent der Frauen fest, bei denen Implantationsversagen auftritt. Um das Implantationsfenster festlegen und die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft durch einen perfekt getimten Transfer erhöhen zu können, setzt das Team des IVF Baden-Baden den endometrialen Rezeptivitätstest ER Map® (Endometrial Receptivity Map) ein.

Mit Rezeptivitätstests verschobene Einnistungsfenster identifizieren

ER Map® wertet die Expression von 48 Genen aus, die an der Entwicklung der endometrialen Rezeptivität beteiligt sind, und erlaubt die Einteilung des Endometriumzustandes in vier Kategorien:

  • Rezeptiv: Das Endometrium hat den optimalen Zeitpunkt für eine Einnistung des Embryos erreicht.
  • Pre-rezeptiv: Die Gebärmutterschleimhaut hat den optimalen Zeitpunkt noch nicht erreicht. Das heißt, dieser Zyklus weist ein frühes Implantationsfenster auf.
  • Post-rezeptiv: Die Gebärmutterschleimhaut hat bereits das Stadium für eine optimale Einnistung des Embryos erreicht. Daher ist das Implantationsfenster verzögert.
  • Nicht rezeptiv: Zu diesem Zeitpunkt des Zyklus ist das Implantationsfenster definitiv geschlossen.

Im Gegensatz zu anderen gängigen Verfahren weist ER Map® eine Besonderheit auf: Dieser Rezeptivitätstest umfasst die Analyse der für die Immunantwort verantwortlichen Gene, die direkt mit dem Einnistungsprozess zusammenhängen.

Ablauf eines Rezeptivitätstests

Bei ER Map® handelt es sich um eine Endometriumbiopsie, bei der eine Kanüle durch die Scheide in die Gebärmutter eingeführt wird. Dabei entnimmt die Ärztin oder der Arzt eine Probe des Endometriumgewebes. Anschließend wird eine genetische Analyse durchgeführt. Auf Basis der Ergebnisse kann der Zeitpunkt des Transfers individualisiert werden.

Einnistungsstörung – Immunologische Faktoren untersuchen

Können embryonale und/oder endometriale Faktoren als Grund für das Implantationsversagen ausgeschlossen werden, empfehlen die Ärztinnen und Ärzte des IVF Baden-Baden die Durchführung eines immunologischen Tests. Das Immunsystem einer werdenden Mutter hat nämlich großen Einfluss auf den Einnistungsprozess: Es muss eine Immuntoleranz gegenüber dem Embryo entwickeln, damit dieser nicht als Fremdkörper erkannt und abgestoßen wird.

Um herauszufinden, ob ein immunologisches Problem besteht, hat das IVF Baden-Baden ImMap® entwickelt. Dieses Verfahren besteht aus einer Endometriumbiopsie in der Lutealphase und einer Blutuntersuchung. Die gewonnenen Proben analysieren unsere Experten dann mittels Durchflusszytometrie im Labor. Hierbei handelt es sich um eine biophysikalische Technik, mit der Immunmarker nachgewiesen und Zellzählungen durchgeführt werden können. So stellen die Spezialisten fest, ob natürliche Killerzellen, T-Helferzellen, regulatorische T-Zellen oder erhöhte B-Lymphozyten vorhanden sind, die die Einnistung des Embryos beeinflussen können.

Stellt sich heraus, dass ein anormales Immunzellenlevel vorliegt, wird empfohlen, eine auf die Patientin zugeschnittene Immuntherapie zu beginnen, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei ER Map® und ImMap® letztlich um zwei verschiedene Verfahren handelt. ER Map® wird in der Regel durchgeführt, wenn bereits mehrere Implantationsfehler aufgetreten sind.

Ob der immunologische Test ImMap® eingesetzt wird, hängt von vielen weiteren Aspekten ab. Empfohlen wird dieses Verfahren, wenn andere Faktoren bereits ausgeschlossen wurden und der Verdacht auf ein immunologisches Ungleichgewicht besteht.

Mit Hysteroskopie die Gebärmutter untersuchen

Neben den beiden Tests stehen aber noch weitere Untersuchungsoptionen zur Verfügung. Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung der Gebärmutter, kann beispielsweise eine Hysteroskopie sinnvoll sein. Diese Technik ermöglicht die direkte Darstellung der Gebärmutter, um ihre Morphologie und Funktion zu untersuchen.

Vertrauensvoll kommunizieren, individuell behandeln

In der Regel haben Patientinnen und Patienten, die sich für die Durchführung dieser Tests entscheiden, auf dem Weg zur Erfüllung ihres Kinderwunsches bereits wiederholte Implantationsfehler oder Fehlgeburten erlitten. Deshalb ist eine vertrauensvolle Kommunikation mit unseren Fachärztinnen und -ärzten während der Behandlung besonders wichtig. Sie führen umfassende Beratungen durch und zeigen auf, welche diagnostischen Tests für die jeweilige Person geeignet sind. Dabei beziehen unsere Reproduktionsmediziner sowohl fachliche Kenntnisse als auch die individuellen Umstände der jeweiligen Patientinnen und Patienten ein. Auf diese Weise lässt sich eine präzise Diagnose stellen und ein maßgeschneiderter Behandlungsplan entwickeln, um die wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg der Kinderwunschbehandlung zu schaffen.

Sie möchten mehr über das Thema Einnistungsstörung und unsere Diagnoseverfahren wissen? Im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgespräches beantwortet das Team des IVF Baden-Baden gerne Ihre Fragen. Vereinbaren Sie einen Termin unter der Telefonnummer 07221 7021701 oder über unser Kontaktformular.